Herr Bruder

Da dürfte selbst der sonst so gestreng blickende Stammvater von Baden-Württembergs Drehorgelindustrie, Ignaz Blasius Bruder, im Drehorgelhimmel über alle Backen gestrahlt haben. Nach dem Heimatfest landete der Förderverein Fürstenberger Hof unter der Leitung von Hans-Peter Wagner mit dem »Schwarzwälder Drehorgeltag« wieder einen Volltreffer.

Über 20 Drehorgeln und  Sonnenschein bescherten dem »Schwarzwälder Drehorgeltag« zu Ignaz Blasius Bruders Ehren schöne Nostalgie-Gefühle. Weit mehr als 1000 Besucher ließen sich von der tollen Atmosphäre anstecken, klatschten Beifall und sangen aus voller Brust mit. Die Parkplätze waren bis ins Wiesenfeld und hoch zur Schule voll belegt mit Autos von Karlsruhe bis Lörrach und Vil¬lingen bis Stuttgart, und viele El-sässer waren da. Auch die Wirte freuten sich, denn oft gab es kei¬nen einzigen freien Platz mehr.

Den Auftakt machte standesgemäß die riesige Jahrmarktorgel von Alfred Bruder mit mehr als 250 Pfeifen von anno 1928. Mit einem flotten Marschpotpourri vertrieb sie vehement und schließlich mit Erfolg die letzten schwarzen Regenwolken. Dann ging es auf der Bühne weiter. Bernd Wintermantel, als Ur-Ur-Ur-enkel ein direkter Nachfahre von Ignaz Blasius Bruder, stellte die wunderbaren Drehorgeln von Carl Frei und der Waldkircher Orgelbaufirma Jäger & Brommer mit ihren Orgelspielern vor. Höhepunkte waren die Moritaten, bebilderte Geschichten von ruchlosen Untaten, von Liebe, Leid und Untreue und komischen Begebenheiten - alles was Kino und TV heute bieten. Dabei zeigte sich der landesweit bekannte Bänkelsänger Josef Reich mit seiner herrlichen Bassstimme in Hochform. Schwarzwald- und Heimatlieder boten Brigitte Mühl auf ihrem Schwarzwald-Örgeli und Willi Ams auf seiner prachtvollen Drehorgel »Hand in Hand durch Berg und Land« dar. Alle sangen mit Herzenslust mit. Publi kumslieblinge waren Erich und Marita Cordes, die unermüdlich aufspielten und bei jedem Auftritt fast mitsangen.

Diesmal hatten die Waldkircher Drehorgelfreunde eine besondere Rarität aus dem Schaffen von Ignaz Blasius Bruder und seinen Söhnen dabei: die »Schwedenorgel«. Sie war vor vielen Jahren in Schweden in einem Nachlass aufgetaucht, von der Waldkircher Orgelstiftung gekauft und in mühevoller Kleinarbeit restauriert und gangbar gemacht worden. Nun erklang sie beim Drehorgelfest zum ersten Mal wieder.

Sieben Stunden ohne Pause

Das viel bestaunte Meisterwerk faszinierender Drehorgeltechnik spielte rein und melodisch wie vor 155 Jahren, als sie in Waldkirch gebaut wurde. Im Vordergrund auf der Orgelbühne steht Napoleon mit seinem typischen Hut und winkt huldvoll. Um ihn herum stehen die Großen jener Zeit, hoch zu Ross der deutsche König Friedrich Wilhelm, daneben der österreichische Kaiser Franz Joseph I. und der russische Zar Nickolas mit Gefolge.

Auch im Fürstenberger Hof ging es rund. Fast 300 Besucher nutzten die Gelegenheit, den 350 Jahre alten Hof zu besichtigen. Oft gab es auch hier fast kein Durchkommen mehr. In der immer vollbesetzten Stube musizierten Herbert (Geige), Hermine (Zither) und Lina (Gesang) und luden zum Mitsingen ein. Zum Ende dankte der Vorsitzende des Fördervereins Heimatmuseum Fürstenberger Hof, Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner, den Waldkirchern für diese herausragende Darstellung der Drehorgelmusik. Besonders hob Wagner den unermüdlichen Fleiß und die Spielfreude der Waldkircher Drehorgelfreunde hervor. Sie hatten von 11 bis 18 Uhr ohne die kleinste Pause aufgespielt, weil immer wieder neue Besucher auf die Festwiese strömten.